Presse
13.04.2018, 09:18 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 13.4.2018 / Dirk Becker
Basisarbeit im Schnelldurchgang
DFB-Präsident Reinhard Grindel schaute beim TSV Wustrau und MSV Neuruppin kurz vorbei
Neuruppin/Wustrau. Es fühlt sich schon etwas buckelig unter normalen
Schuhsohlen an, läuft der Besucher über den Fußballrasen beim TSV Wustrau. DFB-Präsident Reinhard Grindel und Siegfried Kirschen, Präsident des Fußball-Landesverbandes (FLB), bemerkten das ebenfalls am Mittwoch bei ihrem Besuch auf dem Frank-Jeske-Sportplatz am Mühlenberg. Die Anlage mit einem Haupt-, einem Neben- und einem Bolzplatz in der 1000-Seelen-Gemeinde hat bereits 50 Jahre auf dem Buckel. Eine Sanierung ist dringend erforderlich, allerdings kann die zuständige Fehrbelliner Bürgermeisterin Ute Behnicke da wenig helfen, und ein Antrag beim Landessportbund auf Förderung wurde erst einmal auf Eis gelegt. „Wir müssten einen Nutzungsvertrag von 25 Jahren vorweisen“, sagt Ingo Lamprecht, Vorsitzender des TSV Wustrau. Tatsächlich weist der Vertrag mit dem Fehrbelliner Rathaus eine dreijährige Nutzung aus. Während sich die
Gäste von DFB und FLB verspäteten, blieb Zeit, sich in kleiner Runde zu verständigen. Behnicke, Lamprecht und Kreissportbund-Geschäftsführer
Thomas Krieglstein erörterten Lösungsvorschläge auf kurzem Wege. Und dann kam die schwarze Limousine mit dem mächtigsten Mann Fußball-Deutschlands angefahren, eskortiert von Sebastian Steineke, CDU-Bundestagsmitglied, der Grindels Besuch erst möglich gemacht hatte. Man kennt sich aus gemeinsamen Bundestagszeiten. „Ich hatte ihn letztes Jahr schon gefragt, der Termin im Mai konnte dann aber nicht stattfinden. Ich habe
ihn dann gebeten, einen neuen Termin vorzugeben“, sagte Sebastian
Steineke. Männermannschaften beanspruchen das Gelände und fünf
Nachwuchsteams. Alle trainieren auf den Nebenplätzen, die entsprechend
beansprucht aussehen. Der kleinste, eher ein Bolzplatz, wird auch für die Jugend des Dorfes ständig offen gehalten. „Das ist nobel, dass ihr den Platz öffnet“, sagt Grindel nach kurzer Begrüßung und Querung des Spielfelds. Das Stichwort für Ingo Lamprecht: „Ein Traum wäre ein Kunstrasenplatz.“ Den Einwurf von der Seite kontert Reinhard Grindel elegant mit einem eher fordernden Blick auf die Bürgermeisterin. Aber die hat schon vor nicht allzu langer Zeit ein Kunstrasen-Projekt beim SV 90 Fehrbellin befördert. Beim DFB ist in dieser Richtung nichts zu holen. Die Aktion der 100 Kleinplätze zu Zeiten der Weltmeisterschaft in Deutschland „ist nicht zu wiederholen“, sagt Grindel. „Fifa und Uefa nehmen zu viel weg.“ Das Thema sollte auch eine Stunde später noch die Gemüter in der Gaststätte des Volksparkstadions des MSV Neuruppin erregen. Aber zunächst wird dem Trainingstreiben des TSV-Nachwuchses zugeschaut und dem für die Arbeit mit den jungen Kickern maßgeblich Verantwortlichen und zugleich erfolgreichen Max Döbbelin ein Förderpreis des DFB überreicht. Gratulation und Urkunde, später im Jahr eine Reise in ein spanisches Trainingslager. So sieht Motivation für einen der Fußballhelden der Aktion junges Ehrenamt seitens des Deutschen Fußballbundes aus. Viel Zeit blieb nicht, um die vorbereiteten Fragen an den Präsidenten zu richten. Der Austausch von Nettigkeiten sollte allerdings nicht
zu kurz kommen. Die Vorderen der Verbände bekamen die roten TSV Fanschals vom Vorsitzenden überreicht. Im Gegenzug signierte Reinhard
Grindel Vereinswimpel. Und schon ging es im Autokorso über Land nach Neuruppin, wo den DFB-Präsidenten ein volles Haus und erwartungsvolle Gesichter erwarteten. Im flächenmäßig größten Fußballkreis Deutschlands gibt es nur den einen in Vereinshand, und der befindet sich beim SSV Einheit Perleberg. Da ist es wieder, die leidige Kunstrasenplatz-Diskussion, die auch hier letztlich abgeschmettert wird. Man bräuchte neue Programme, so Grindel. Beim Antrittsbesuch beim neuen Innenminister Horst Seehofer, der auch für den Sport in Deutschland zuständig ist, wolle er als DFB-Präsident das gerne zur Sprache bringen. „Es sollte neue Infrastrukturprogramme geben mit einem fetten Bundesanteil.“ Der MSV Neuruppin bemüht sich seit einiger Zeit intensiv, ein künstliches Geläuf auf dem weitläufigen Vereinsgelände an der Alt Ruppiner Straße zu bauen. Der Kreissportbund hilft und die anwesenden
Vereinsvertreter, allen voran der Wustrauer Ingo Lamprecht, vernahmen es mit Interesse. Was beim TSV Thema ist und war, dass mehr Trainer bei doch steigenden Nachwuchszahlen benötigt werden, ist Teil des weiteres Fragenkatalogs. „Immer nur hoffen, alles gute kommt von oben? Nein! Wir müssen aus dem Quark kommen. Wir müssen uns öffnen und auf die Leute zugehen“, erklärt Grindel. Bezahlen, nein. „Ich bin zutiefst überzeugt, wir
werden mit Geld das nicht ausgleichen können, was im Ehrenamt geleistet
wird. Wir werden das Ehrenamt nicht durch bezahltes Hauptamt ersetzen.“ Und wenn die Vereine mehr Geld benötigen, sollten doch einmal die Beiträge in ihrer Höhe überprüft werden. Bei Siegfried Kirschen und dem Landesverband ist auch für die Bezahlung von Schiedsrichtern kein Geld zu holen. Schon gar nicht für Übungsleiter über die üblichen Pauschalen
hinweg. Sollten Beiträge erhöht werden, blieben die Kinder weg. Das Argument zog nicht beim DFB-Präsidenten. „Ich will niemandem zu nahe treten. Wenn ich einen spannenden Trainer habe, bleiben die Kinder.“ Und das war es schon. Noch eine kurze Antwort zum Abschneiden der Nationalmannschaft bei der kommenden WM: Es wird schwer, erneut Weltmeister zu werden. Bei Wustraus Ingo Lamprecht und den übrigen Vertretern blieben noch Fragen offen. Was ihnen aber blieb, war ein Erinnerungsfoto.

16.04.2018, 17:19 Uhr

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